Diese Folge habe ich ganz spontan begonnen, mit der Sprachmemo-Funktion meines Handys, auf dem Rückweg vom Nagelstudio zum Hotel. Mir brannte ein Thema so sehr unter den frisch gemachten Fingernägeln, dass ich nicht bis zum Arbeitszimmer warten wollte.

Es geht um eine Frage, die mich bei so vielen Beraterinnen beschäftigt: Warum trauen wir uns als Frauen so oft nicht, laut zu sein, anzuecken und unseren Erfolg zu zeigen? Und warum ist das kein persönliches Versagen, sondern ein Muster, das viel tiefer sitzt?

Lieber die ausführliche Podcastfolge dazu anhören?


Drei Momente, die mich zum Nachdenken gebracht haben

Der erste Auslöser kam aus meinem Instagram-Kurs. Immer wieder haben mir Beraterinnen erzählt, dass ein Beitrag schon fertig in ihren Entwürfen liegt, sie sich aber nicht trauen, ihn zu veröffentlichen. Man könnte ja anecken. Man könnte ja auffallen.

Der zweite Auslöser war ein Buch, das ich dir wirklich ans Herz lege: „Die Krise liebt Frauen wie dich“ von Madame Moneypenny. Darin beschreibt sie verschiedene Rollenmuster, mit denen viele Frauen aufgewachsen sind. Eines davon ist das gute Mädchen: lieb, brav, angepasst, fällt nicht auf und eckt nirgends an. Beim Lesen dachte ich nur: Genau da rutschen wir alle immer wieder rein.

Der dritte Auslöser war mir fast ein bisschen peinlich. Ich habe mir im Urlaub zum ersten Mal ein Facial gönnen wollen, also eine Gesichtsbehandlung. Eine halbe Stunde lang wurde in meinem Gesicht gedrückt und gequetscht, es hat gebrannt, eine Maschine machte abwechselnd kalt und warm. Ich wollte nur noch weg. Und als die Inhaberin hinterher fragte, wie es war, habe ich geantwortet: "gut". Da war es wieder, das brave Mädchen, das bloß niemanden enttäuschen will.

Woher das brave Mädchen in uns kommt

Die Ursache liegt, wie so oft, in unserer patriarchalen Prägung. Kleine Mädchen bekommen Anerkennung, wenn sie lieb und brav sind. Bei Jungs heißt es dagegen schnell: Jungs sind halt so, die dürfen wild und laut sein.

Über die Jahre verschmilzt das mit unserem Selbstwert. Wir lernen: Ich bin etwas wert, wenn andere mich als angenehm empfinden. Genau deshalb fällt es vielen Frauen so schwer, Nein zu sagen, und genau so entsteht People Pleasing. Wir haben Angst, dass andere von uns enttäuscht sind, wenn wir nicht mehr pflegeleicht sind, und dass uns dann die Anerkennung entzogen wird, an der unser Selbstwert hängt.

Das ist übrigens genau das, was viele von euch heute anderen Eltern vermitteln: dass Kinder stolz auf sich sein dürfen und ihr Selbstwert nicht vom Außen abhängt. Die meisten von uns sind aber noch ganz anders groß geworden.

Warum dein Nervensystem noch im Kindheitsmodus reagiert

Dahinter steckt eine uralte Angst: Wer früher aus der Gruppe ausgeschlossen wurde, hatte keinen Schutz mehr und konnte kaum überleben. Dieses Alarmsystem ist heute noch aktiv. Wenn es mit der Erfahrung verknüpft ist, dass wir nur gemocht werden, solange wir brav sind, steckt diese Prägung tief in unserem Nervensystem.

Ich merke das selbst im Alltag. Wenn mein Mann zur Tür hereinkommt, habe ich manchmal den Impuls, schnell irgendetwas zu tun, weil ich als Kind gelernt habe, dass es Vorwürfe gibt, wenn ich nicht beschäftigt bin. Meinem Mann ist das völlig egal, er würde mir das nie vorwerfen. Trotzdem reagiert mein Körper noch so.

Die gute Nachricht: Das lässt sich umlernen. Ich kann bewusst durchatmen und mir sagen, dass ich nicht mehr das kleine Kind von damals bin. Frag dich doch mal selbst: In welchen Momenten reagiert dein Nervensystem noch auf etwas, das aus deiner Kindheit stammt?

Und ja, ich spreche hier ganz bewusst über das Nervensystem im Zusammenhang mit Unternehmertum. Denn genau diese Muster halten uns klein. Frauen entschuldigen sich nachweislich häufiger als Männer, und in Medien und Filmen werden Frauen bis heute gern als nett und angepasst gezeigt, während laute, meinungsstarke Frauen schnell als schwierig gelten.

Die Heidi-Howard-Studie: Erfolg macht Männer sympathisch und Frauen unbeliebt

Bei der Recherche zu dieser Folge bin ich auf eine Studie gestoßen, die mich nicht mehr losgelassen hat. An der Columbia Business School bekamen Studierende die Fallstudie einer echten, sehr erfolgreichen Unternehmerin aus dem Silicon Valley vorgelegt, Heidi Roizen. Die eine Hälfte las die Geschichte mit ihrem echten Namen. Die andere Hälfte las exakt denselben Lebenslauf mit denselben Erfolgen, nur hieß die Person dort Howard.

Das Ergebnis: Heidi und Howard wurden als gleich kompetent eingeschätzt. Aber Howard galt als deutlich sympathischer, mit ihm wollten die Studierenden gern zusammenarbeiten. Heidi dagegen wurde als egoistisch und unsympathisch wahrgenommen, als jemand, für den man lieber nicht arbeiten möchte. Gleiche Daten, gleiche Leistung, der einzige Unterschied war das Geschlecht. Und das Bemerkenswerte: Männer und Frauen haben gleich geurteilt.

Dahinter steckt ein strukturelles Muster. Bei Männern hängen Erfolg und Sympathie positiv zusammen, bei Frauen negativ. Ehrgeiz und Durchsetzungskraft werden bei einem Mann als Stärke gesehen. Zeigt eine Frau dieselben Eigenschaften, verstößt sie gegen das, was man von ihr erwartet, und wird dafür abgestraft. Es gibt inzwischen neuere Durchläufe solcher Studien, in denen sich das Bild etwas verbessert hat, aber das Grundmuster kennen wir alle aus dem Alltag.

Was das für dich als selbstständige Beraterin bedeutet

Mit all diesen ernüchternden Fakten will ich dir keine schlechte Laune machen. Ich will dir etwas ganz anderes mitgeben: Es liegt nicht an dir.

Wenn du sichtbarer wirst, dich klar positionierst, auch mal ein unbequemes Reel postest oder deine Meinung laut vertrittst, dann werden dich manche Menschen unsympathisch finden. Nicht, weil du etwas falsch machst, sondern weil du gegen ein altes Rollenbild verstößt. Das ist der Preis für Erfolg, und den kann ich dir mit keiner Podcastfolge und keinem Blogartikel ersparen.

Aber genau darin liegt auch eine Befreiung. Wenn es sowieso passiert, sobald du erfolgreich wirst, dann musst du deine Energie nicht mehr darauf verwenden, es zu verhindern. Du kannst losgehen und deinen Weg gehen, ohne darauf zu warten, dass dich alle mögen. Das wird nämlich nicht passieren.

Warum gerade wir den Kreislauf durchbrechen müssen

Viele von euch arbeiten jeden Tag daran, dass die nächste Generation mit einem gesünderen Selbstwert aufwächst. Wie absurd wäre es, wenn uns genau diese alten Muster davon abhalten, mit unserer Arbeit sichtbar zu werden? Wenn wir jetzt nicht losgehen, du und ich, wer soll es dann tun? Dann steht die nächste Generation vor genau demselben Problem.

Deshalb lade ich dich ein, für dich zu entscheiden:

  • Ich entschuldige mich nicht mehr dafür, erfolgreich zu sein.
  • Ich schlucke es nicht mehr runter, wenn mich jemand egoistisch findet, nur weil ich meinen Weg gehe.
  • Ich muss es nicht allen recht machen.
  • Mein Selbstwert hängt nicht davon ab, was andere über mich denken.

Das heißt übrigens nicht, dass du nicht mehr nett sein darfst. Ich bin nach wie vor ein freundlicher Mensch, der keinen Streit sucht. Aber ich gehe meinen Weg, egal, wie andere das finden.

Was ich selbst daraus gezogen habe

Ich habe im Sommer sehr viel über mein eigenes Business nachgedacht. Ich habe mich wieder in viele Newsletter eingetragen, bin anderen Coaches gefolgt und habe eine große Entscheidung getroffen: Ich reduziere mein Angebot. Es wird nicht mehr für jede Person das passende Angebot geben, sondern ein großes Programm, in dem alles drin ist, was Beraterinnen brauchen, um Eltern planbar zu erreichen.

Früher hätte mich der Gedanke gestresst, dass ich damit nicht mehr alle abhole. Heute weiß ich: Das ist okay. Ich stehe zu hundert Prozent hinter diesem Angebot, und genau das darfst du für deine Angebote auch.

Und jetzt du

Wenn du merkst, dass dich genau diese Muster bremsen, dass du Beiträge in den Entwürfen liegen lässt und dich nicht traust, mit deinem Angebot laut zu werden, dann ist mein Kurs Beratungs-Business-Basics für dich gemacht. Wir arbeiten an deiner Positionierung, an deinem Angebot und an deiner Sichtbarkeit, und du hast ein Jahr lang Begleitung und eine Community an deiner Seite, die dich ermutigt, statt dich kleinzuhalten.

Zum Kurs Beratungs-Business-Basics

Und wenn du eine Beraterin kennst, die noch viel zu lieb, zu nett und zu angepasst ist, dann schick ihr diesen Artikel gerne weiter.

Suche
Glückliche Mutter mit Kind, Elternmagnet, positive Eltern-Kind-Beziehung, Familienmoment, Liebe, Vertrauen, Harmonie, entspannter Alltag.

Hey, ich bin Juli!

Zehn Jahre war ich Lehrerin und hab mir nebenher meine Selbstständigkeit aufgebaut, bis ich 2023 ganz ins eigene Business gewechselt bin.

Heute bin ich Marketing-Mentorin für Beraterinnen und zeige dir hier, wie du Eltern als Kund:innen gewinnst

Jetzt für 0€ herunterladen!

Wie du jede Beratung sicher meisterst

Dieser Leitfaden begleitet dich in 6 Schritten zur erfolgreichen und effektiven Planung, Durchführung und Reflexion deiner ersten oder nächsten Beratungseinheit mit Eltern.

Arbeite mit mir

Du willst es selbst umsetzen und dabei begleitet werden? Dann ist der Beratungs-Business-Basics-Kurs dein Weg.
>>> Zum Kurs

Du willst jemanden, der ganz auf dich und dein Angebot schaut? Dann lass uns im 1:1-Mentoring zusammenarbeiten.
>>> Zum Mentoring

Letzte Blogbeiträge:

Warum schaffen es manche Beraterinnen, von ihrer Selbstständigkeit zu leben, und andere nicht? Aus der Begleitung von fast 400 Beraterinnen: die 6 Unterschiede, die wirklich zählen.

Weiterlesen »

Wie Ute Stanggassinger vom nebenberuflichen Sportmentalcoaching zu einem Team mit 11 Coaches gewachsen ist: Zielgruppe Kinder und Eltern, Marketing, Team und Mindset-Tipps für Beraterinnen.

Weiterlesen »

Du berätst Eltern, hast aber selbst keine Kinder, und fragst dich, ob du das darfst? Warum Kompetenz aus Ausbildung und Erfahrung kommt und wie du auf Social Media authentisch auftrittst.

Weiterlesen »

Du bist in die Beratung reingerutscht und willst sie jetzt richtig professionell aufziehen? Diese 8 Bausteine zeigen dir, woran du professionelles Arbeiten als Beraterin erkennst.

Weiterlesen »

Du traust dich nicht, deine Meinung zu posten? Die Heidi-Howard-Studie zeigt, warum erfolgreiche Frauen weniger gemocht werden und warum das kein Grund ist, dich kleinzumachen.

Weiterlesen »

Ständig neue Angebotsideen und trotzdem kein Fortschritt? So verbesserst du dein bestehendes Angebot in 5 Schritten: Feedback einholen, Muster erkennen, optimieren, relaunchen.

Weiterlesen »