Eine Bekannte von mir hat Informatik studiert und sich danach ganz bewusst selbstständig gemacht, weil sie reisen und ihr Leben frei gestalten wollte. Sie hat sich mit Gründung, Steuern und Strategie beschäftigt, bevor sie überhaupt die erste Kundin hatte.

Bei uns Beraterinnen läuft das meistens ganz anders. Wir rutschen rein. Vielleicht über die eigenen Kinder: Das Stillen hat wehgetan, das Tragen hat nicht geklappt oder ein Kind hat eine Diagnose bekommen, und plötzlich lässt uns das Thema nicht mehr los. Wir bilden uns weiter, werden Stück für Stück zur Expertin und wollen unser Wissen weitergeben. Oder wir kommen aus einem Ursprungsberuf wie Pädagogin oder Krankenschwester und merken, wie viele Eltern Unterstützung brauchen. Und irgendwann sind wir, schwupps, selbstständig, ohne es je wirklich beschlossen zu haben.

Doch an einem Punkt kommt fast jede an diese Frage: Entweder ich höre auf, oder ich mache es jetzt richtig professionell. In diesem Artikel schauen wir uns an, was Professionalisierung für dich als Beraterin wirklich bedeutet und woran du erkennst, wo du gerade stehst.

Lieber die ausführliche Podcastfolge dazu anhören?


Meine allererste Beratung war alles andere als professionell

Kannst du dich noch an deine erste Beratung erinnern? Meine war bei einer Nachbarin in Leipzig. Sie hatte mitbekommen, dass ich mich mit dem Tragen beschäftige, und fragte, wie das mit ihrem Baby funktioniert. Weil ich noch gar kein eigenes Sortiment hatte, bin ich mit ihr in einen Trageladen gefahren und habe sie dort beraten.

Professionell war das nicht, aber es war der Start meiner Selbstständigkeit. Die Nachbarin erzählte es weiter, und in den großen Leipziger Altbauten stand gefühlt jede Woche eine neue Nachbarin vor der Tür. Der Übergang war fließend. Ich habe nie gesagt: Ab heute bin ich professionelle Trageberaterin. Ich habe damals ja auch noch hauptberuflich als Lehrerin gearbeitet. Trotzdem kam die Professionalisierung, ob ich wollte oder nicht, mit jeder Erfahrung und mit jeder bewussten Entscheidung.

Die folgenden acht Punkte stammen aus meinem eigenen Weg und aus den Mentorings mit meinen Beraterinnen. Viele davon hätte ich damals selbst gern früher gewusst.

1. Eine solide Ausbildung in deinem Fachgebiet

Bevor wir überhaupt über Professionalisierung sprechen: Du brauchst eine fundierte Ausbildung und regelmäßige Weiterbildungen in deinem Bereich. Fast alle Beraterinnen, mit denen ich arbeite, sind in Feldern unterwegs, in denen die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist. Trageberaterin, Schlafberaterin, Erziehungscoach, jede und jeder darf sich so nennen.

Mir ist mal eine Hebamme begegnet, die sich auf Instagram als Schlafberaterin positionieren wollte. Auf meine Frage nach ihrer Ausbildung meinte sie, eine Freundin habe ihr erzählt, wie sie ihre Schlafberatungen macht, das könne sie auch. Sie ist eine super ausgebildete Hebamme, aber das ist keine solide Grundlage für Schlafberatung. In deinem Spezialgebiet musst du wirklich Expertin sein, sonst kannst du Eltern nicht helfen.

2. Eine klare Zielgruppe

Am Anfang freust du dich über jede Anfrage, und das ist völlig in Ordnung. Du sammelst Erfahrungen und nimmst jedes Elternteil, das zu dir kommt. Irgendwann wird genau das zum Problem.

Professionalisierung heißt, dass du aufhörst, die Beraterin für alle Eltern zu sein, und anfängst, die Beraterin für ein bestimmtes Thema, eine bestimmte Herausforderung oder eine bestimmte Lebensphase zu sein. Das fühlt sich erstmal unangenehm an, weil du andere ausschließt. Tatsächlich ziehst du damit aber genau die Eltern an, die du wirklich erreichen willst.

Stell dir eine Mama mit Zwillingen vor, die sich im zweiten oder dritten Lebensjahr unterschiedlich entwickeln. Sie hat Angst, dass mit einem der beiden etwas nicht stimmt, und findet im Netz nur allgemeine Förderangebote. Wenn sie dann auf eine Beraterin stößt, die Entwicklungsförderung speziell für Zwillinge anbietet, fühlt sie sich sofort gesehen. Dasselbe gilt später bei der Einschulung: Kommen beide in eine Klasse? Wird eines früher eingeschult? Solche Fragen kommen in einer allgemeinen Schulberatung gar nicht vor.

3. Du steuerst, wie Eltern auf dich aufmerksam werden

Ein hohes Maß an Professionalität erreichst du, wenn Kundinnen nicht mehr zufällig über einen Flyer beim Kinderarzt zu dir finden, sondern du ganz bewusst steuerst, wie neue Eltern dich entdecken. Das kann Instagram sein, eine gut optimierte Website oder eine Kooperation mit einer Fachpraxis, die dich gezielt weiterempfiehlt, etwa eine Kinderarztpraxis, die jedem Kind mit Lese-Rechtschreib-Schwäche dein Training empfiehlt.

Es muss also nicht digital sein. Entscheidend ist, dass du deine Einstiegspunkte kennst und aktiv gestaltest.

4. Ein Buchungssystem statt „Schreib mir eine Nachricht“

Wenn Eltern endlich auf dich aufmerksam geworden sind und du dafür so viel Arbeit investiert hast, dann ist „Schreib mir eine Nachricht“ oder „Ruf mich an“ in deiner Bio leider unprofessionell. Ich habe das am Anfang genauso gemacht. Viele Eltern telefonieren aber nicht gern, und wer ein akutes Problem hat, will nicht drei Tage auf eine Antwort warten.

Bei fünf Anfragen pro Woche klappt das vielleicht noch. Bei 20, 30 oder 50 Anfragen ist es nicht mehr machbar. Deshalb lohnt es sich, schon jetzt groß zu denken und die Strukturen aufzubauen, bevor dir die Anfragen über den Kopf wachsen. Mit einem Buchungssystem können Eltern dich direkt buchen, sobald sie dich gefunden haben.

5. Standardisierte Angebote und Beratungspakete

Am Anfang erzählt jede Kundin ihre Situation, und du bastelst ihr ein individuelles Angebot. Bei manchen Themen geht das schnell, weil die Beratung fast immer gleich abläuft. Bei einer Erziehungsberatung weißt du aber vorher nicht, was kommt: Die eine braucht drei Termine, die andere zwei, die nächste ein halbes Jahr Begleitung, und du schreibst ständig Kostenvoranschläge.

Viel professioneller ist es, feste Pakete für typische Herausforderungen deiner Zielgruppe zu schnüren. Die kannst du direkt über dein Buchungssystem anbieten, und viele Systeme erstellen sogar die Rechnung automatisch. Das spart dir enorm viel Zeit.

6. Rechtliche Absicherung und Bürokratie

Zur Professionalisierung gehört auch der ungeliebte Papierkram: ein gültiges Impressum und eine Datenschutzerklärung auf deiner Website, gegebenenfalls AGB, saubere Verträge, klare Haftungsregeln und die passenden Versicherungen. Augen zu und wird schon gut gehen ist keine Strategie.

Für mich war zum Beispiel völlig klar, dass ich mir nach meinem Umzug nach Schweden sofort wieder eine Betriebshaftpflicht suche. Bei der Beratung für die Nachbarin denkt man an so etwas nicht, aber ab einem bestimmten Punkt gehört es einfach dazu, auch zu deiner eigenen Sicherheit.

7. Du behältst deine Zahlen im Blick

Am Anfang weißt du noch genau, wie viele Kundinnen du betreut hast. Irgendwann verlierst du den Überblick. Spätestens dann solltest du anfangen, deine Zahlen regelmäßig anzuschauen. Du musst nicht alles auf einmal erfassen, aber diese beiden Bereiche sind wichtig:

  • Deine Marketingzahlen: Follower, Likes und Kommentare, E-Mail-Kontakte, Besuche auf deiner Website.
  • Deine Kundenzahlen: Wie viele Anfragen kommen rein, wie viele davon buchen, was kostet eine Stunde Beratung, und wie viel Arbeit steckt wirklich drin, inklusive aller Nachrichten danach?

Am Anfang reicht es, wenn du dir einmal im Quartal Zeit nimmst und alles in einer einfachen Tabelle festhältst. Auf dieser Grundlage kannst du Preise kalkulieren und Angebote entwickeln, zum Beispiel ein festes Paket zu dem Thema, nach dem Eltern am häufigsten fragen. Du merkst dann selbst: Ich reagiere nicht mehr nur, ich agiere.

8. Du bist nicht mehr die nette Beraterin von nebenan

Der letzte und vielleicht wichtigste Punkt ist eine Frage des Mindsets. Professionalisierung heißt, dass du ein Standing hast. Du hast eine Meinung, eine klare Kommunikation und Werte, für die du einstehst, und Eltern sehen das auch.

Du bist nicht mehr das nette Mädchen von nebenan, das es allen recht machen will, sondern eine Beraterin mit klarer Haltung und Unternehmerinnen-Mindset. Und genau aus diesem Mindset heraus triffst du auch die anderen Entscheidungen, vom Buchungssystem bis zu deinen Paketen.

Die 8 Bausteine auf einen Blick

  • Du bist in deinem Fachbereich fundiert ausgebildet und bildest dich weiter.
  • Du weißt genau, welche Eltern du erreichen willst.
  • Du steuerst, wie Kundinnen auf dich aufmerksam werden.
  • Eltern können dich direkt über ein Buchungssystem buchen.
  • Du hast standardisierte Angebote und Pakete.
  • Du bist rechtlich und versicherungstechnisch abgesichert.
  • Du behältst deine Zahlen regelmäßig im Blick.
  • Du trittst als Unternehmerin mit Haltung und Meinung auf.

Professionalisierung ist ein Prozess, kein Sprint

Wenn du jetzt zusammenzuckst und denkst, das ist viel zu viel: Du musst nicht alle acht Punkte auf einmal umsetzen. Fang mit einem an, dann kommt der zweite, dann der dritte. Ich bin seit über zehn Jahren selbstständig, erst nebenberuflich, heute in Vollzeit. So lange brauchst du natürlich nicht, aber in vier Wochen ist das auch nicht erledigt. Und auf dem Weg darfst du dir Unterstützung holen.

Und jetzt du

Genau deshalb gibt es von mir inzwischen nur noch ein einziges Programm: Beratungs-Business-Basics. Weil beim Aufbau einer professionellen Selbstständigkeit so viele Bausteine zusammenspielen, begleite ich dich dort ein Jahr lang Schritt für Schritt, von deiner Zielgruppe über dein Angebot bis dahin, dass Eltern planbar zu dir finden, egal ob du nebenberuflich startest oder irgendwann ganz von deiner Beratung leben willst.

Zum Kurs Beratungs-Business-Basics

Suche
Glückliche Mutter mit Kind, Elternmagnet, positive Eltern-Kind-Beziehung, Familienmoment, Liebe, Vertrauen, Harmonie, entspannter Alltag.

Hey, ich bin Juli!

Zehn Jahre war ich Lehrerin und hab mir nebenher meine Selbstständigkeit aufgebaut, bis ich 2023 ganz ins eigene Business gewechselt bin.

Heute bin ich Marketing-Mentorin für Beraterinnen und zeige dir hier, wie du Eltern als Kund:innen gewinnst

Jetzt für 0€ herunterladen!

Wie du jede Beratung sicher meisterst

Dieser Leitfaden begleitet dich in 6 Schritten zur erfolgreichen und effektiven Planung, Durchführung und Reflexion deiner ersten oder nächsten Beratungseinheit mit Eltern.

Arbeite mit mir

Du willst es selbst umsetzen und dabei begleitet werden? Dann ist der Beratungs-Business-Basics-Kurs dein Weg.
>>> Zum Kurs

Du willst jemanden, der ganz auf dich und dein Angebot schaut? Dann lass uns im 1:1-Mentoring zusammenarbeiten.
>>> Zum Mentoring

Letzte Blogbeiträge:

Warum schaffen es manche Beraterinnen, von ihrer Selbstständigkeit zu leben, und andere nicht? Aus der Begleitung von fast 400 Beraterinnen: die 6 Unterschiede, die wirklich zählen.

Weiterlesen »

Wie Ute Stanggassinger vom nebenberuflichen Sportmentalcoaching zu einem Team mit 11 Coaches gewachsen ist: Zielgruppe Kinder und Eltern, Marketing, Team und Mindset-Tipps für Beraterinnen.

Weiterlesen »

Du berätst Eltern, hast aber selbst keine Kinder, und fragst dich, ob du das darfst? Warum Kompetenz aus Ausbildung und Erfahrung kommt und wie du auf Social Media authentisch auftrittst.

Weiterlesen »

Du bist in die Beratung reingerutscht und willst sie jetzt richtig professionell aufziehen? Diese 8 Bausteine zeigen dir, woran du professionelles Arbeiten als Beraterin erkennst.

Weiterlesen »

Du traust dich nicht, deine Meinung zu posten? Die Heidi-Howard-Studie zeigt, warum erfolgreiche Frauen weniger gemocht werden und warum das kein Grund ist, dich kleinzumachen.

Weiterlesen »

Ständig neue Angebotsideen und trotzdem kein Fortschritt? So verbesserst du dein bestehendes Angebot in 5 Schritten: Feedback einholen, Muster erkennen, optimieren, relaunchen.

Weiterlesen »