Ihr liebt Erfolgsgeschichten, das merke ich jedes Mal, wenn ich ein Interview mit einer Frau veröffentliche, die es geschafft hat, aus ihrer Leidenschaft ein richtiges Business zu machen. Diesmal habe ich jemanden eingeladen, der auf den ersten Blick gar nicht in unsere Branche passt: Ute Stanggassinger von MentalHouse.

Ute war Volleyball-Nationalspielerin und arbeitet heute als Sportmentalcoach. Ihre Kundinnen und Kunden sind vor allem junge Leistungssportler zwischen 10 und 20 Jahren, dazu deren Eltern und Trainer. Inzwischen arbeiten elf Coaches in ihrem Team, und über 100 Sportler sind gleichzeitig im Coaching. Ihr Weg dahin ähnelt dem von so vielen Beraterinnen, die ich begleite, und genau deshalb steckt in diesem Gespräch so viel für dich drin.

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Von der Nationalspielerin zur Sportmentalcoachin

Ute kam mit 14 an eine Sportschule, war mit 16 Volleyball-Nationalspielerin und hat früh gelernt, mit Hindernissen umzugehen. Nach ihrer Sportkarriere gründete sie eine Familie, bekam zwei Kinder und arbeitete viele Jahre im Unternehmen ihres damaligen Mannes mit, als starke Frau im Hintergrund. Nach der Trennung war sie lange alleinerziehend und angestellt, zuletzt als Abteilungsleiterin.

Um die 40 spürte sie, dass da noch so viel mehr in ihr steckt. Der entscheidende Moment kam bei einem Sichtungstag einer Fußball-Sportschule, zu dem sie ihren damals zehnjährigen Sohn begleitete. Sie sah rund 180 Kinder, die alle Fußballprofi werden wollten, und wusste gleichzeitig, dass es vielleicht eines schaffen würde, vielleicht keines.

An diesem Tag wurde ihr klar, was sie wirklich tun will: Kindern und Jugendlichen helfen, mental stark zu werden. Nicht im Sinne von „Du kannst alles schaffen“, sondern so, dass sie ein Selbstbewusstsein fürs Leben entwickeln und sich nicht als gescheitert empfinden, wenn es mit der Profikarriere nicht klappt.

Sechs Jahre vom ersten Coaching bis zur Vollzeit-Selbstständigkeit

Was mir an Utes Geschichte so gefällt: Sie hat genau so angefangen wie viele von euch. Nach ihrer Ausbildung zur Sportmentaltrainerin hat sie an der Sportschule ihres Sohnes Vorträge angeboten und die ersten Kinder kostenlos gecoacht. Andere Eltern merkten, dass diese Kinder plötzlich selbstbewusster und konzentrierter waren, und sprachen sie am Spielfeldrand an. Ein Vater fragte nach ihrer Visitenkarte, und Ute hatte noch nicht einmal eine.

Danach hat sie Stück für Stück alles gelernt, was ein Business braucht: eine Website bauen, ein Freebie erstellen, Abläufe aufsetzen, und das ohne großes Budget. Parallel hat sie ihre Stunden im Angestelltenjob reduziert, die Abteilungsleitung abgegeben und ihr Coaching ausgebaut. Bis sie wirklich davon leben konnte, vergingen etwa sechs Jahre.

Ans Aufhören hat sie dabei nie gedacht. Ihr Warum war so stark, dass Krisen sie nicht aus der Bahn geworfen haben. Den letzten Anstoß gab ihr 50. Geburtstag: Sie fragte sich, was sie am Ende ihres Lebens bereuen würde, und kündigte in der Woche darauf ihren sicheren Job. Kurz darauf kam Corona, und sie ist trotzdem gegangen.

Online-Coaching: Wie aus einer Notlösung ein Vorteil wurde

Online gearbeitet hat Ute schon vor Corona, eher aus Zufall. Ein junger Eishockeyspieler, den sie in ihrer Praxis betreute, zog 200 Kilometer weg, und die Eltern fragten, ob sie per Videocall weitermachen könnten. Ute war skeptisch, weil sie sehr gern mit Bewegung und im Raum arbeitet. Sie hat ihre Methoden angepasst und schnell gemerkt, welche Vorteile das hat: Eltern müssen ihre Kinder nicht noch zu einem weiteren Termin fahren, und die Jugendlichen können die Zeit zwischen Schule und Training nutzen.

Corona hat ihr dann sogar in die Karten gespielt, weil plötzlich alle Eltern Videocalls kannten. Vorher hatte sie noch Absagen bekommen, weil Familien sich Coaching online nicht vorstellen konnten.

Was Sportmentalcoaching eigentlich ist

Viele Kinder trainieren fleißig und zeigen im Training super Leistungen. Am Wettkampftag ist dann alles anders: Bauchschmerzen schon morgens, schlechter Schlaf, Blockaden, Fehlstarts. Nicht, weil sie es nicht können, sondern weil der Kopf nicht mitspielt.

Genau da setzt Utes Coaching an. Es geht nicht um Technik und auch nicht um positives Zureden. Die Kinder lernen zu verstehen, warum sie so handeln, wie sie handeln, wie Gedanken Bilder erzeugen und wie sie Emotionen und Nervosität regulieren können. Die häufigsten Themen sind Nervosität und Leistungsdruck, gefolgt von fehlendem Selbstbewusstsein. Und das Schöne: In den Abschlussgesprächen erzählen die Jugendlichen fast immer, dass sie auch in der Schule besser geworden sind. Der Sport ist die Eingangstür, gelernt wird fürs Leben.

Marketing, wenn Kinder die Zielgruppe sind und Eltern bezahlen

Diese Frage kennen viele von euch: Wen spreche ich eigentlich an, wenn die Kinder mein Thema sind, aber die Eltern buchen? Ute hat dafür vieles ausprobiert. Eine Zeit lang war ihre Website aus Elternsicht geschrieben, aber ihre Tests mit Suchbegriffen zeigten, dass Eltern nicht nach „Mentaltraining für mein Kind“ googeln, sondern nach Begriffen wie Sportmentaltraining, Sportpsychologie oder Nervosität im Wettkampf.

Ihre Erkenntnis: Wenn Eltern etwas für ihr Kind suchen, setzen sie automatisch die Kinderbrille auf. Deshalb spricht ihre Website heute die Sportler selbst an, eher neutral, und Eltern erkennen trotzdem sofort, dass ihr Kind gemeint ist. Auf Instagram gibt es zusätzlich Beiträge speziell für Eltern, zum Beispiel, welche Sätze nach einem Wettkampf auf der Heimfahrt im Auto besser nicht fallen sollten.

Besonders spannend fand ich ihren Newsletter. Wer sich ein Freebie herunterlädt, wählt aus, ob er Leistungssportler, Elternteil oder Freizeitsportler ist. Jeden Sonntag schreibt ihr Team drei Versionen desselben Newsletters, jeweils passend für diese Gruppen. Das ist viel Arbeit, aber es lohnt sich, weil man einen Jugendlichen nun mal anders anspricht als dessen Mama.

Echte Erfahrungsberichte sind Gold wert

Ute hat eine ganze Seite mit Erfolgsgeschichten, sowohl von Sportlern als auch von Eltern. Wenn eine Mama dort liest, dass ein Kind vor dem Wettkampf immer übel war und es heute selbstbewusst antritt, erkennt sie ihr eigenes Kind sofort wieder.

Ihr Tipp, den ich hundertprozentig unterschreibe: Sammle von Anfang an echte, ehrliche Bewertungen, am besten mit Foto oder Video. Gerade in Zeiten, in denen sich mit KI alles Mögliche faken lässt, ist echte Authentizität unbezahlbar. Selbst wenn du deine ersten Beratungen kostenlos machst, frag direkt nach Feedback und vielleicht nach einem Foto aus der Beratungssituation.

So gewinnt MentalHouse heute neue Kundinnen und Kunden

Ute hat schon vieles ausprobiert, auch Pinterest und LinkedIn, und gemerkt, dass das zu viel war. Ihr Grundsatz: Geh dorthin, wo deine Zielgruppe ist. Heute setzt sie auf diese Kanäle:

  • Instagram: Dort sind Eltern und Jugendliche gleichermaßen. Ute zeigt sich täglich in ihren Stories, spontan aus dem Alltag, und postet zwei bis drei Beiträge pro Woche.
  • Google: Ihre frühen Blogartikel bringen ihr dank guter Suchbegriffe bis heute organische Anfragen.
  • Werbeanzeigen: Google-Anzeigen für das Erstgespräch und Meta-Anzeigen für ein Freebie.
  • Newsletter: Jeden Sonntag, in drei Versionen für ihre Unterzielgruppen.
  • Empfehlungen: Bei über 100 Sportlern im Coaching spricht sich gute Arbeit herum.

Wann ein Team sinnvoll wird und wie es funktioniert

Den Namen MentalHouse hatte Ute schon 2014/15 im Kopf, mit der Vision eines Hauses, in dem Sportler aller Altersgruppen und Leistungsniveaus mental stärker werden. Ungefähr ein Jahr nach dem Schritt in die volle Selbstständigkeit explodierten die Anfragen. Sie konnte niemanden mehr aufnehmen und merkte, dass sie aufpassen muss, nicht in ein Burnout zu rutschen.

Unterstützung beim Marketing und bei der Technik hatte sie da schon länger. Jetzt holte sie sich Coaches ins Team, die nach ihren Werten und Prinzipien arbeiten. Weil die Berufsbezeichnung Sportmentaltrainer nicht geschützt ist, hat sie ihre Coaches eng begleitet und quasi selbst nachgeschult. Heute sind sie zu elft, und Ute sieht sich vor allem als Mentorin, die das Team zusammenhält.

Auch die Abläufe sind mitgewachsen. Bei drei Coaches hat Ute noch alle Erstgespräche selbst geführt. Bei zehn Coaches ging das nicht mehr. Heute gibt es einen festen Prozess:

  • Ein Fragebogen klärt, ob es grundsätzlich passt.
  • Ein Vertriebsmitarbeiter führt ein kurzes Telefonat.
  • Es folgt ein ausführliches, aufgezeichnetes Erstgespräch.
  • Ute schaut kurz rein und entscheidet, welcher Coach am besten passt.
  • Nach der Coachingvereinbarung übernimmt der Coach und vereinbart die Termine selbst.

Weil Eltern ihnen ihre Kinder anvertrauen, bucht dort niemand einfach über die Website. Vertrauen braucht vorher mindestens ein, zwei Gespräche. Das gilt für viele Beratungsbereiche rund um Familien genauso.

Mindset-Tipps für Beraterinnen, die sich nicht trauen

Eine meiner Kundinnen hat mir neulich erzählt, dass sie nach meinem Instagram-Kurs Content vorbereitet hat, sich aber nicht traut, ihn zu posten. Eine andere meinte, ihr Leben sei doch viel zu langweilig, obwohl sie fachlich top ausgebildet ist. Ich habe Ute gefragt, was sie in solchen Fällen rät, und ihre Tipps passen eins zu eins auf uns Beraterinnen.

Frag dich, wovor du eigentlich Angst hast. Meist ist es nicht das Posting selbst, sondern die Angst vor den Folgen: dass jemand dich auslacht, dass du nicht mehr dazugehörst. Spiel das schlimmste Szenario einmal bewusst durch, etwa, dass dich die Nachbarin auf deinen Beitrag anspricht. Halte dieses Gefühl kurz aus. Oft merkst du dann, dass es gar nicht so schlimm ist und dich vielleicht sogar stolz macht, weil du dich mehr traust als andere.

Stärke deinen authentischen Stolz. Ute arbeitet mit sogenannten Super-Ressourcen. Eine davon ist der authentische Stolz: Was habe ich durch mein eigenes Handeln erreicht? Wichtig ist, dass es wirklich um deine Leistung geht, nicht um die deiner Kinder. Beantworte diese Frage jeden Abend, und du wirst merken, wie viele Geschichten dir mit der Zeit einfallen. In ihrem Coaching gibt es dafür sogar Stolzgläser, in die die Kinder ihre Zettel legen und sie vor einem Wettkampf herausziehen.

Ergänze das mit Dankbarkeit. Die zweite Super-Ressource ist die Frage: Wofür und wem bin ich dankbar? Sie lenkt den Blick weg vom Vergleich mit anderen und hin zu dir selbst. Utes Vorschlag: Probier beide Fragen zwei Wochen lang aus und beobachte, was passiert.

Verbinde dich mit deinem Warum. Viele Beraterinnen fangen voller Begeisterung an und hören wieder auf, wenn sie merken, dass Marketing dazugehört. Wer ein starkes Warum hat, bleibt dran. Frag dich, warum du das machst, und dann frag noch einmal warum, bis du bei dem Gefühl ankommst, das dich wirklich antreibt.

Denk in nächsten Schritten. Statt das große Ganze auf einmal stemmen zu wollen, frag dich immer nur: Was ist der nächste Schritt? Instagram-Account anlegen, lernen, wie es funktioniert, ein paar Beiträge pro Woche. Und dann den nächsten Schritt.

Versteh es, bevor du es abgibst. Ute kommt nicht aus dem Marketing und kann heute trotzdem fast alles selbst. Ihr Rat: Du kannst Instagram oder deine Website irgendwann abgeben, aber du musst vorher verstehen, wie es funktioniert, und die Vorarbeit wie deine Zielgruppenanalyse selbst machen. Das kann dir niemand abnehmen.

Mehr über Ute und MentalHouse

Wenn du ein sportbegeistertes Kind hast oder einfach neugierig auf Utes Arbeit bist, findest du alle Programme auf mentalhouse.de.

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