Diese Frage kam direkt aus meiner Community, und ich habe die Beraterin, die sie gestellt hat, gefragt, ob ich sie im Podcast beantworten darf. Sie hat Ja gesagt, und ich bin ihr dankbar dafür, denn ehrlich gesagt musste ich beim Lesen erstmal schlucken.
Ich sage nämlich selbst ganz oft Sätze wie: Du bist Mama geworden, dein Kind hatte dieses oder jenes Thema, und so bist du in die Beratung reingerutscht. Für viele Beraterinnen stimmt das. Aber eben nicht für alle. Und mit dieser Sprache habe ich vermutlich auch Frauen ausgegrenzt, die Eltern begleiten, ohne selbst Kinder zu haben. Das tut mir leid. Es gibt viele Wege in die Beratung, und die eigenen Kinder sind nur einer davon.
Deshalb geht es heute um alle Beraterinnen ohne eigene Kinder und um die Frage, warum du trotzdem eine richtig gute Beraterin bist.
Lieber die ausführliche Podcastfolge dazu anhören?
Was mich als junge Lehrerin wirklich besser gemacht hat
Als ich mit 19 mein Lehramtsstudium begonnen habe, war ich noch weit entfernt von eigenen Kindern. Meine Praktika und meine ersten Jahre als Lehrerin habe ich ohne Kinder gemacht. Ich habe unterrichtet, Stunden vorbereitet und Elterngespräche geführt.
Das Einzige, was mich am Anfang zu einer schlechteren Lehrerin gemacht hat, war fehlende Erfahrung. Mit jedem Jahr wurde ich besser, weil ich mehr erlebt, mehr ausprobiert und mich weitergebildet habe. Mit eigenen Kindern hatte das nichts zu tun. Die Erfahrung hat den Unterschied gemacht.
Und noch etwas habe ich in dieser Zeit gemerkt: So viel Zeit, mich fortzubilden, Fachbücher zu lesen und neue Ansätze auszuprobieren, hatte ich danach nie wieder. Mit Kindern hast du schlicht weniger Flexibilität. Das ist kein Nachteil für Eltern, aber ein echter Vorteil für dich, wenn du keine Kinder hast.
Kompetenz kommt aus Ausbildung, nicht aus eigener Elternschaft
Das Wichtigste ist für mich die Frage: Bist du in deinem Fachbereich fundiert ausgebildet oder nicht? Die Beraterin, die mir die Frage gestellt hat, ist Erzieherin mit einer zusätzlichen Fachweiterbildung. Eine andere Beraterin ohne eigene Kinder, die ich kenne, ist Krankenschwester und hat in diesem Beruf einen großartigen Job gemacht.
Diese Frauen bringen eine komplette Ausbildung in frühkindlicher Entwicklung, in Pädagogik und Didaktik oder im medizinischen Bereich mit. Sie wissen über körperliche Prozesse und Entwicklungsschritte Dinge, die ich als Mama nicht weiß.
Schau dir andere Berufe an: Ein Gynäkologe hat keine Gebärmutter und kann trotzdem Ultraschall machen und Krankheiten erkennen. Eine Chirurgin muss keinen Krebs gehabt haben, um einen Tumor zu operieren. Niemand würde ihre Kompetenz deshalb anzweifeln. Genau so musst du Elternschaft nicht am eigenen Leib erlebt haben, um Eltern kompetent zu begleiten.
Wie in jedem Beruf gilt dabei: Am Anfang bist du weniger erfahren als später. Auch ein Arzt wird mit jeder Operation besser. Solange du dein Fachgebiet ordentlich gelernt hast, musst du dich nicht hinter Beraterinnen mit Kindern verstecken.
Eltern sind Expertinnen für ihr Kind, nicht für alle Kinder
Und dann ist da noch ein Punkt, den viele übersehen: Wer Mama oder Papa wird, wird Expertin für ein einziges Kind, nämlich das eigene. Das merkst du spätestens beim zweiten Kind. Beim ersten glaubst du zu wissen, wie es läuft: Decke glattstreichen, früh ins Bett, und alles klappt. Dann kommt Kind Nummer zwei, schläft völlig anders, und die Decke ist ihm herzlich egal.
Kennst du ein Kind, kennst du ein Kind. Wer selbst Kinder hat, kennt deshalb noch lange nicht alle Kinder der Welt. Manchmal führt die eigene Erfahrungsbrille sogar dazu, dass man sie zum Maß aller Dinge macht. Ein objektiver Blick von außen auf ein Familiensystem kann da ein echter Vorteil sein.
Mir ist wichtig: Ich spiele hier nichts gegeneinander aus. Beraterinnen mit Kindern sind nicht schlechter, und Beraterinnen ohne Kinder sind nicht besser. Es ist gleichwertig, und jede bringt andere Stärken mit.
Warum du dich trotzdem manchmal kleiner fühlst
Oft entsteht das Gefühl, nicht mitreden zu dürfen, auf Social Media. Dort sieht es so aus, als hätten andere Eltern und Beraterinnen alles im Griff. Ganz ehrlich: Das ist nur ein winziger Ausschnitt. Ich bin mir sicher, dass diese Accounts dieselben Sorgen, Fehler und Struggles haben wie alle anderen Eltern auch. Sonst wären sie gar nicht erst zu ihrem Thema gekommen.
Ich denke dabei gern an das Autofahren. Wer mit 18 den Führerschein macht, hat super Reflexe, aber noch wenig Erfahrung. Wer älter ist, reagiert vielleicht etwas langsamer, macht das aber mit viel Erfahrung wett. Erfahrung sammelst du als Beraterin auf verschiedenen Wegen, durch eigene Kinder oder durch viele, viele Beratungen. Keiner dieser Wege ist schlechter.
So zeigst du dich auf Social Media authentisch ohne eigene Kinder
Die Beraterin hat mich auch gefragt, wie sie auf Instagram authentisch posten kann, wenn sie nicht aus eigener Elternerfahrung erzählen kann. Hier ein paar Beispiele aus der Praxis, die mich inspiriert haben:
- Eine Stillberaterin ohne eigene Kinder schreibt aus der Perspektive der großen Schwester, die sich um ihre kleinen Brüder gekümmert hat.
- Eine Herstellerin von Tragehilfen hatte bei der Entwicklung ihrer Tücher ihren Neffen im Kopf und ist so in ihre Nische gekommen.
- Es gibt Autorinnen und Fachweiterbildungen, die ganz bewusst aus der Perspektive von Bonuseltern erzählen, deren Partnerin oder Partner ein Kind mit in die Beziehung gebracht hat.
- Und natürlich kannst du aus deinem beruflichen Alltag erzählen, etwa als Erzieherin, Pädagogin oder Krankenschwester, und aus den Erfahrungen mit den Kindern um dich herum.
Wenn du dich gerade mit einem unerfüllten Kinderwunsch beschäftigst, darfst du auch das zum Thema machen, wenn du dich damit wohlfühlst. Viele Mamas haben selbst einen schweren Weg hinter sich und sind dankbar, wenn jemand offen darüber spricht. Das ist aber natürlich kein Muss. Dein Privatleben darf auch privat bleiben.
Eigene Kinder sind kein Kriterium für Kompetenz
Kurz gesagt: Expertise entsteht durch eine gute Ausbildung, durch Praxis und durch Empathie. Wie jede andere Beraterin darfst du deinen Content erstellen, deine Expertise zeigen und deine Angebote verkaufen. Wichtig ist nur, dass du deinen eigenen Weg findest, wie du kommunizierst. Lass dich von diesem Zweifel nicht davon abhalten, überhaupt rauszugehen.
Wenn du noch eine Frage hast, die ich im Podcast beantworten soll, schreib mir gern auf Instagram. Mein Account heißt inzwischen genau wie der Podcast: @elternmagnet.
Und jetzt du
Wenn du fachlich richtig gut ausgebildet bist, dich aber mit deiner Positionierung, deinem Content oder deinem Angebot noch unsicher fühlst, dann begleite ich dich gern in meinem Kurs Beratungs-Business-Basics. Gemeinsam finden wir deinen Weg, wie du dich authentisch zeigst und Eltern planbar zu dir finden, ganz egal, ob du selbst Kinder hast oder nicht.




