Ich beobachte es aktuell auf Instagram immer häufiger: Beraterinnen teilen politische Statements, posten Wahlaufrufe oder beziehen klare Stellung zu gesellschaftlichen Themen. Vielleicht hast du es auch schon auf Instagram oder Facebook beobachtet – oder sogar selbst überlegt, ob du dich politisch äußern solltest. Doch wie viel Meinung ist in deiner Rolle als Beraterin angemessen? Kannst du damit Kunden gewinnen – oder eher abschrecken?
Lieber die ausführliche Podcastfolge dazu anhören?
Politik: Ein Tabuthema im Business?
In meinen Beratungsanfängen galt es als ungeschriebenes Gesetz: Über Politik spricht man nicht – besonders nicht im beruflichen Kontext. Neutralität wurde als oberstes Gebot angesehen. Doch ist das heute noch zeitgemäß?
Elternschaft, Familienpolitik, Bildungssystem – all das sind Themen, die deine Kundinnen direkt betreffen. Wenn sich Gesetze ändern oder neue Regelungen eingeführt werden, beeinflusst das unmittelbar die Familien, mit denen du arbeitest. Warum also sollte man als Beraterin dazu schweigen?
Die Vorteile, wenn du politisch Stellung beziehst
Einige Beraterinnen entscheiden sich ganz bewusst dafür, ihre politische Meinung öffentlich zu machen. Warum?
Authentizität und Werte zeigen
Deine Community will wissen, wofür du stehst. Transparenz schafft Vertrauen – und Vertrauen ist die Basis für langfristige Kundenbeziehungen.Du ziehst die richtigen Menschen an
Wenn du dich klar positionierst, wirst du automatisch diejenigen anziehen, die deine Werte teilen. Und die Arbeit mit diesen Kundinnen wird sich viel erfüllender anfühlen.Du kannst echte Veränderung bewirken
Gerade als Expertin im Elternbereich hast du eine Stimme, die gehört wird. Warum sie nicht nutzen, um gesellschaftliche Themen voranzubringen?
Die Risiken: Wann du vorsichtig sein solltest
Natürlich gibt es auch Argumente dagegen, sich als Beraterin politisch zu äußern:
Du kannst Menschen abschrecken
Eine klare politische Haltung bedeutet auch, dass sich manche von dir abwenden werden. Falls du dir unsicher bist, ob du damit umgehen kannst, solltest du das gut abwägen.Bist du wirklich Expertin für dieses Thema?
Als Stillberaterin, Trageberaterin oder Elterncoach hast du Fachwissen in deinem Gebiet – aber nicht zwingend in politischen Prozessen. Es kann herausfordernd sein, sich in komplexe Themen einzuarbeiten und fundierte Aussagen zu treffen.Der Umgang mit Kritik kann belastend sein
Wer sich öffentlich äußert, wird früher oder später Kritik bekommen. Wenn du eine politische Meinung vertrittst, kann das sogar sehr emotional werden. Bist du bereit, damit umzugehen?
Umgang mit Angst und Unsicherheit
Viele Beraterinnen zögern, sich politisch zu äußern, weil sie Angst vor Gegenwind haben. Kritik oder sogar negative Kommentare können einschüchternd wirken. Hier sind einige Strategien, um damit umzugehen:
Reflektiere deine Angst: Ist die Angst realistisch? Was ist das Schlimmste, was passieren könnte? Oft wirkt es erleichternd, sich das bewusst zu machen.
Setze klare Grenzen: Du musst nicht auf jede Diskussion eingehen. Entscheide bewusst, wann und wie du reagierst.
Suche den Austausch: Sprich mit Kolleginnen, die ähnliche Werte teilen. Netzwerke können Rückhalt geben.
Bleib sachlich und respektvoll: Emotionale Themen können hitzige Reaktionen auslösen. Klare, gut durchdachte Kommunikation hilft, Missverständnisse zu vermeiden.
Wie du eine gute Balance findest
Falls du überlegst, ob du politische Inhalte in deine Arbeit integrieren möchtest, stelle dir folgende Fragen:
Welche Werte sind mir wirklich wichtig?
Passt dieses Thema zu meiner beruflichen Ausrichtung?
Was ist das Schlimmste, was passieren könnte, wenn ich mich äußere?
Würde ich mich langfristig besser fühlen, wenn ich für meine Überzeugungen einstehe?
Und wenn du dich entscheidest, politisch Stellung zu beziehen, dann tue es mit Bedacht. Du musst nicht zu jedem Thema eine Meinung haben – konzentriere dich auf die Themen, die wirklich zu deinem Fachgebiet gehören.
Übung: Finde deine Haltung
Falls du unsicher bist, ob und wie du dich äußern solltest, hilft dir diese einfache Übung:
Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe alle politischen oder gesellschaftlichen Themen auf, die dich beschäftigen.
Markiere diejenigen, die eng mit deiner Arbeit als Beraterin verbunden sind.
Überlege dir, welche dieser Themen du mit deiner Community teilen möchtest.
Lege das Papier einen Tag zur Seite und überprüfe am nächsten Tag deine Auswahl. Fühlt sich das immer noch richtig an?
Falls ja, formuliere eine klare Botschaft dazu – ruhig, sachlich und reflektiert.
Diese Übung hilft dir, Klarheit über deine eigene Haltung zu gewinnen und sicherzustellen, dass du dich mit deinen Äußerungen wohlfühlst.
Fazit: Deine Entscheidung zählt
Ob du dich als Beraterin politisch äußerst oder nicht, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Beide Wege sind legitim – solange du bewusst und reflektiert handelst. Deine Meinung ist wertvoll, aber du musst sie nicht zwangsläufig öffentlich machen. Wichtig ist, dass du dich mit deiner Entscheidung wohlfühlst.
Denk daran: Dein Business ist DEIN Raum – du bestimmst, welche Inhalte du teilst und wie du deine Werte kommunizierst. Finde den Weg, der für dich passt!